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KH-IT-Tagung Nürnberg

Am vergangenen Mittwoch und Donnerstag (06.05.-07.05.2015) trafen sich anlässlich der 45. Tagung des Verbandes der Krankenhaus-IT-Leiterinnen und IT-Leiter rund 140 Teilnehmer aus Krankenhaus, Wissenschaft und Wirtschaft, um sich zum Thema „Managed Services für Krankenhaus-IT“ auszutauschen.

Die Anzahl der angereisten Teilnehmer aus der Industrie überwog gegenüber den Krankenhausvertretern deutlich (im Verhältnis von circa 3 zu 1). Die blanken Zahlen erlauben nicht, das vermeintliches Interesse oder Desinteresse von Wirtschaft und IT-Verantwortlichen der Leistungserbringer gegeneinander aufzuwiegen – das Engagement aller Beteiligten war riesig und die Summe der Teilnehmer mehr als ausreichend.

Auftaktreferent war Prof. Dr. Friedemann Schwenkreis. Kein IT-Leiter, nein! Ein CIO aus der Dualen Hochschule Baden-Württemberg. Spannend vorgetragen und auf vor uns liegende Themen und Trends ausgerichtet, skizzierte Prof. Dr. Schwenkreis Szenarien im Einsatz moderner eHealth-Lösungen. Sensoren auf und im Körper kommunizieren mit der Umwelt und das Internet der Dinge ergänzt die menschliche Wahrnehmung zusätzlich durch die Wahrnehmung von IT. Das ist sehr hilfreich, wenn wir uns in Gefahr bringen, uns durch einen Unfall selbst nicht mehr äußern können, Alter oder Krankheit einen Hilferuf verhindert oder einfach Orientierungslosigkeit oder fehlende Beobachtung durch Mitmenschen zu Unfällen oder Krankheit führen.

Spracherkennung, Wearables, Sensoren und Minicomputer produzieren eine Unmenge an Daten über unseren Körper, die wir trotz stetig steigender Leistungsfähigkeit der Rechnertechnik nicht verarbeiten und auswerten können. Wir produzieren große Datenmengen (BIG DATA). Aber wer weiß, wann was überflüssig ist? Und was kann wieder gelöscht werden? Wie analysieren wir Daten? Wie trennen wir wichtig von unwichtig, relevant von irrelevant? Wer übernimmt bei Entscheidungen über den Verbleib gesundheitsbezogener Daten die Verantwortung? Diese und mehr Fragen sind zur Zeit offen und Antworten gibt es immer nur für den Einzelfall. Das merkte man auch schnell in der Diskussion, da man sich nur über die Uneinigkeit einig wurde.

Das letzte und zur Tagung dann zielführende Thema seines Vortrages war die Cloud als Managed-Service-Ansatz. Cloud als durch Externe zur Verfügung gestellte IT-Ressourcen in zentralen Rechenzentrumslösungen ist Managed IT-Service pur. Doch die Anforderungen an Datenschutz und Datensicherheit sind hoch. Vor allem bei personen- oder gar patientenbezogenen Daten muss sichergestellt werden, dass diese Daten nicht in unbefugte Hände gelangen. Technisch ist da sehr viel möglich. Auf der politischen und rechtlichen Ebene gibt es offenbar viele Unsicherheiten und Grauzonen, dass sich kein Entscheider im Krankenhaus oder aus der Krankenhaus-IT aus der Deckung wagt.

Dem eigentlichen Thema „Managed Services in der Krankenhaus-IT“ folgend, schlossen sich Vorträge zu Erfahrungen aus Kliniken an, ergänzt um die Selbstdarstellung einiger IT-Anbieter. Das Credo war einstimmig: Von oder mit professionellen IT-Anbietern betriebene IT-Infrastruktur im Krankenhaus wird gewünscht und ist wichtig! Geschäftsführer liebäugeln mit steigender Liquidität, IT-Leiter mit mehr Know-How und Zugriff auf Personal, Anwender freuen sich über die schnelle Nutzung innovativer Lösungen und die Anbieter begrüßen umfangreiche Projekte.

Nur, warum ist der Umsetzungsstand von IT-Betriebs-Projekten in der IT-Landschaft eines Otto-Normal-Krankenhauses so miserabel? Schauen wir uns doch die Ergebnisse der vorgestellten Umfrage des KH-IT zum Thema Managed Services an: Von 436 befragten IT-Verantwortlichen aus Krankenhäusern dem Krankenhaus haben 73 Mitglieder geantwortet (17%).  Gefragt wurde nach der Bereitstellung von IT-Diensten durch interne und externe Anbieter. Im Ergebnis haben mehr als die Hälfte der Befragten das Website-Hosting (82%) und den Druckerservice (62%) in die Verantwortung von externen Anbietern gegeben. Alle anderen denkbaren IT-Strukturen und IT-Dienste in deutschen Krankenhäusern werden mehrheitlich durch die internen IT-Abteilungen erbracht. Nur 40 Prozent vergeben die Digitalisierung von Akten und nur 35 Prozent IT-Lösungen für Gehaltsabrechnung und Security an externe Anbieter. In fast ausschließlicher Hoheit der IT-Abteilungen der Krankenhäuser bleiben umfangreichere IT-Themen wie KIS (79 %), PACS (76 %), Cloud (91 %) und Dateisharing (87%) etc.

Damit stellt sich das Outsourcing-Verhalten in den Krankenhäusern eher konservativ dar, was zumeist durch die Komplexität der Prozesse bedingt ist. Nur in wenigen identifizierten Fällen werden komplexe Betriebsleistungen ausgelagert. In den Beiträgen der Veranstaltung wurde dabei deutlich, dass dies zumeist Problemen der Personalbeschaffung und/oder –bindung geschuldet ist. Am häufigsten (Top) werden daher Spezialbereiche ausgegliedert sowie „Massenware“ wie Druckerdienstleistungen. Aktuelle IT-Themen wie Cloud-Services oder Software as a Service (SaaS) spielen weiterhin eher untergeordnete Rollen, was unter anderem den uneinheitlichen Datenschutzregelungen in den Bundesländern geschuldet ist. Die zu erwartenden zunehmenden Prüfungen durch die Landesdatenschutzbeauftragten tragen ebenfalls dazu bei, dass Managed Services im Bereich personenbezogener Daten als kritisch eingestuft werden.

Die Gründe für die Zurückhaltung der Vergabe sind vielfältig. Neben berechtigten Zweifeln an der Kompetenz der jeweiligen Anbieter, die vorhandenen Prozesse und Dienste liefern zu können, sind Datenschutz- und Datensicherheitsaspekte sowie und Kontroll- und Kompetenzverlust Argumente für interne Erbringung. Die vorgestellten Beispiele erfolgreicher Kooperationen mit externe Anbietern sorgen ändern leider nichts an dem konservativen Denkmustern der Entscheider zu diesem Thema.

Trotz der Bekenntnisse zur Nutzung von Managed IT-Services vermisse ich in dieser Diskussion die nötigen Anstrengungen oder gar strategischen Ansätze, die einen Nährboden für externe  Erbringung  von IT-Diensten im  Krankenhaus bereitet. Die Erkenntnisse aus der Wirtschafts- und der Verwaltungswissenschaften, z.B. zur Bewertung von Transaktions- und Opportunitätskosten oder zur professionellen Gestaltung von Auftraggeber-Auftragnehmer-Beziehungen, werden nicht genutzt. Auch die Erfahrungen aus den vielen Public-Private-Partnership–Modellen (PPP – neuerdings ÖPP für Öffentlich Private Partnerschaft) werden unter den IT-Verantwortlichen als Entscheidungsgrundlage nicht thematisiert.

Gerade bei derart komplexen Diensten und Werkzeugen wie IT im Krankenhaus sollte das aber die Normalität sein. Denn die Projektlaufzeiten, die Produktlebenszyklen, die teils sehr hohen Investitions- und Betriebskosten und die Barrieren bei Produktwechsel oder Integration neuer Lösungen sprechen doch sehr für eine intensive und hochwertige Analyse und Bewertung der Erbringungsstruktur. Welche Kernprozesse hat das Unternehmen Krankenhaus? Welche Rolle spielt dabei die IT? Was ist strategisch so relevant und inhaltlich so spezifisch, dass es nur intern erbracht werden kann? Welche Dienste und Strukturen sind standardisiert und haben für die Behandlung der Patienten oder den Krankenhausbetrieb keine strategische Bedeutung?

Weder die Anbieter aus der Industrie noch die Nachfrager aus den Krankenhaus machen sich zur Zeit die Mühe, die lohnenswert extern zu erbringenden IT-Strukturen, IT-Lösungen und IT-Dienstleistungen zu identifizieren. Fehlt es dabei an Know-How in den Häusern? Gibt es keine Berater, die diese Prozesse erfolgreich begleiten? Und wenn es sie gibt, wo sind sie?

Wenn Managed IT-Services oder IT-Betrieb begehrte Wege zur Investition in IT-Infrastruktur und zur Erbringung von IT-Diensten darstellen, sollten wir uns schnell darum bemühen, einen Konsens zur Prozessbeschreibung von IT im Krankenhaus zu fixieren. Diesen Konsens in Form von Leitfäden kann die Industrie und Dienstleistungswirtschaft dann mit Standardlösungen und Leistungen ausstatten.

Die Verbandsaktivitäten der Krankenhaus IT-Leiter im KH-IT bieten eine hervorragende Plattform zur Erarbeitung solcher Inhalte. Und wie die bestens organisierte Tagung in Nürnberg zeigt, kommen alle Akteure der Krankenhaus-IT zwei mal im Jahr zusammen, um genau diese Themen zu besprechen. Wir werden aktiv dabei sein und über den Fortgang berichten.

Ihr Marcus Beck und das Team von eHealth.Marketing

mein kleiner Beitrag

Die Kampagne „about ehealth“ der eHealth.Marketing zielt  auf die Beschleunigung der Verhaltensänderung von Akteuren im Gesundheitswesen. „about ehealth“ evaluiert kontinuierlich den ehealth-Markt, beschreibt Themen, Projekte, politische Entwicklungen und Trends durch regelmäßige Publikation im Audio- und Videoformat und nutzt dabei bewusst alle digitalen Kommunikationskanäle. Durch die Kampagne wird Wissen erarbeitet, transportiert und durch die „neuen“ digitalen Werkzeuge zur Verfügung gestellt. Ich habe die Hoffnung, dass dadurch ein kleiner Beitrag zum dringend notwendigen Wandel in den Köpfen und Verhaltensweisen geleistet werden kann.

Ihr Marcus Beck

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